Kampf dem Fisch - nicht dem Islam!

Florian Schroeder ruft am 29. Oktober im Bestwiger Rathaus den Ausnahmezustand aus

Ausnahmezustand: Ja! Aber Kampf gegen das Böse? Nein. "Das Böse bauen wir als unser Feindbild auf. Es ist für die gemacht, die keine Zwischenräume sehen wollen. Das Böse liegt in den Händen von Tyrannen, Despoten und Anführern monotheistischer Weltreligionen."

Florian Schroeder nahm seinen 200 Zuschauern am Sonntagabend die Angst vor dem sogenannten Bösen, um sogleich aber festzuhalten, dass jeder etwas dafür tun müsse, um ein Guter zu sein. Denn nur die Guten veränderten die Welt. "In den vergangenen 15 Jahren starben in Europa 750 Menschen als Opfer des islamischen Terrors. Jährlich sterben aber allein in Deutschland 1000 Menschen an verschluckten Fremdkörpern. 500 davon an Fischgräten." Unser Feind sei also nicht der Islam, sondern der Fisch.

Das Böse regiert noch längst nicht die Welt, machte der Kabarettist seinem Bestwiger Publikum klar. Wohl aber die Ausnahmezustände, die wir überall proklamieren. "Na klar: Auch in Deutschland haben wir Ausnahmezustand: Wir haben einen Bundestag, aber keine Regierung!" Und wenn die käme, sei es wohl auch ein Ausnahmezustand. "Wer wird Außenminister? Vielleicht Cem Özdemir? Wenn der in die Türkei fliegt, kommt er nicht mehr raus. Oder Katrin Göring-Eckardt? Die kommt da erst gar nicht rein. Das wird lustig", nahm es der Wahl-Berliner mit Humor.

Koaltion von CDU und AfD böte eine einmalige Chance

Seine Hoffnung beruht auf Neuwahlen. "Dann wird die CDU wieder stärker, und die AfD wird es auch. Eine Regierungsmehrheit gibt es dann nur noch für CDU und AfD. Und dass wäre gut so. Denn so, wie die Merkel schon die FDP und die SPD in Grund und Boden koaliert hat, macht sie es dann mit den Rechten." Doch Empörung darüber, dass mit der AfD jetzt "die Bösen" ins Parlament eingezogen seien, verbittet sich Schroeder: "Nazis waren schon immer im Bundestag. Bisher waren sie nur besser getarnt."

Sind alle AfD-Wähler Rassisten? Schon deshalb, weil sie Nazis tolerieren? Und ist es auch der italienische Restaurant-Inhaber um die Ecke ein Rassist, wenn er sich nicht von den Nazis, die bei ihm Kunden sind, distanziert? Dürfen wir ihm dann mit Pflastersteinen auf die Scheiben werfen - "nur so ein bisschen?" Oder ist man dann selbst wieder ein Böser?

Sind wir nicht alle rassistisch?

Schroeder lebt am Prenzlauer Berg, kauft im Biomarkt ein, kocht mit Veganern, Vegetariern und Lactose-Intoleranten die Bücher von Johann Lafer durch. Aber reicht das, um gut zu sein? Immer wieder hält er uns den Spiegel vor. Und provokant fragt er: Sind wir nicht alle von unserer Natur her rassistisch?  Das zumindest sei die These einer wissenschaftlichen Studie. Aber dann solle man nicht immer die männliche Form wählen: "Rassist" sei nicht gendergerecht - "reden wir doch besser von Rassistierenden."

Schröder beherrscht die fließenden Übergänge zwischen Ernst, Ironie und Zynismus. Und sie entsprechen den Übergängen zwischen Gutem und Bösen, je nach Perspektive und Wahl der sprachlichen Mittel. Schröder bissig: "Politische Korrektheit wollte Gerechtigkeit. Sie schafft aber nur Unterschiede."

Stockhiebe sind mit den Grünen nicht durchsetzbar

Und so fragt er sich den ganzen Abend, was der richtige Maßstab für das Gute ist, woran wir uns orientieren können, wenn schon Gott, der Allmächtige, zu wenig Ahnung von Psychologie hatte, um Eva den Diebstahl des Apfels zuzutrauen, und wie gerechte Strafen aussehen. "In Singapur, dieser großartigen multikulturellen Stadt, gibt es für Männer zwischen 16 und 50 noch Stockhiebe. Jeder davon mit einer Geschwindigkeit von 180 Stundenkilometern. Damit die Haut aufreißt", erläutert Schroeder, um sogleich festzustellen: "In Deutschland wäre das aber mit den Grünen nicht möglich. Da einigt man sich höchstens auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120."

Doch Ausnahmezustände, die gebe es überall. "Dafür müssen wir nicht in die Türkei reisen. Da reicht es, wenn wir unser Grundgesetz aushöhlen." Ob Steuern oder Diskriminierung, Asylrecht oder Datenschutz. In Deutschland gebe es noch nicht einmal eine Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern: "Frauen werden immer noch schlechter bezahlt und machen die meisten Teilzeitjobs. Obwohl sie im Durchschnitt viel besser qualifiziert sind als Männer. Minijobs aber sind nicht die Auffahrt zur Autobahn, sondern die Schotterpiste in die Altersarmut."  Das meint Schroeder ganz erst. Und dann wir er wieder sarkastisch: "Also Frauen, hängt Euch an uns Männer: Tätowiert Euch auf die Schenkel: Dumm fickt gut! Und werdet gesinnungsblond."

Soviel brutale Erkenntnisse führten am Sonntagabend im Rathaus natürlich zu einem Ausnahmezustand. Einen, den die Zuschauer mit viel Applaus honorierten. Um sich schon auf dem Heimweg zu fragen, wie wir die Welt ab morgen ein kleines bisschen besser machen können.

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