"Der Borkenkäfer ist wohl ein Winnetou-Fan"

Frieda Braun feiert im Bestwiger Rathaus vor 800 Zuschauern an zwei Abenden die Premiere ihres neuen Programms "Auf ganzer Linie"

Wer kennt sie nicht: die Klagen der Frauen über ihre viel zu kalten Füße, wenn sie ins Bett gehen. "Kalt wie ein tiefgefrorenes Schnitzel - und der Kopf läuft wieder heiß. Nebenan beim Mann ist es umgekehrt: Füße schön warm, Festplatte runtergefahren." Oder das Gejammer der Männer über die zu kurzen Kabel, wenn sie eine neue Deckenlampe anbringen: "Da hat wohl jemand sparen wollen. Der feiert jetzt. Und unsereiner kann gucken, wie er die Stummel in die Lüsterklemme kriegt."

Es sind die Szenen des Alltags, die Frieda Braun inspirieren. Und die sie auf der Bühne sprachlich, pantomimisch, gestisch so einzigartig ausschmückt. Am Freitagabend gab sie bei Kultur Pur vor ausverkauftem Haus im Bestwiger Bürgersaal die offizielle Premiere ihres neuen Programms "Auf ganzer Linie" - das auf ganzer Linie überzeugte.

Momente, die zusammenschweißen

"Es gibt ja Momente im Leben, von denen Du weißt: Wenn wir das durchstehen, bringt uns nichts mehr auseinander. Dazu gehört eindeutig das Anbringen einer Deckenlampe", stöhnt Kunstfigur Frieda Braun. "Bruno, soll ich eine zweite Leiter holen und zu Dir kommen?" - "Nein, das fehlt mir gerade noch!" In jedem Haushalt hat es solche Dialoge schon gegeben. Der handwerklich begabte Mann, die handwerklich unbedarfte Frau.

Deshalb biegt der Mann im Baumarkt auch gleich rechts in die Werkzeugabteilung ab, wenn eine überdimensionale, aufgeblasene Bohrmaschine von Makita an der Decke baumelt und ihm die Richtung weist wie einst die Loreley den Kapitänen auf dem Rhein. "Makita - da denke ich doch eher an ein Lied von Bata Illic", meint Frieda Braun.

Sie freut sich darüber, dass die Baumärkte jetzt auch die Frauen entdeckt haben. Deren Abteilungen liegen im hinteren Bereich - "da, wo die Männer erst gar nicht hinkommen." Dort heißen die Farben nicht 13 und 27, sondern "Hüterin der Freiheit", womit ein "edelmütiges Patinagrün" gemeint ist. Und dort gibt es die Gebinde in handlichen Formaten, mit der man eine Kommode direkt überstreichen kann, ohne das Holz erst abzubeizen. "Der Mann aber will sich quälen, kauft die Beize und den 10 Liter-Eimer mit einem dünnen Drahtbügel, der sich in die Haut schneidet, bis man am Auto ist."

Motorradfahrer haben immer eine gute Figur

Immer wieder sind es die Eigenarten der Geschlechter, über die sich Frieda Braun mit ihrer Splittergruppe der Frauengemeinschaft amüsiert. So auch über Schilteknechts Wilbrecht, wenn er sich die Motorradkluft überzieht: "In so einem Lederanzug hat man ja immer breite Schultern und eine gute Figur. Aber wehe, man zieht ihn aus: Dann sieht man, dass nicht nur das Motorrad eine breite Mittelkonsole hat." Auch werde der Frau dann bewusst, dass eine Lederkluft nicht nur den Motorradfahrer, sondern auch seine Umwelt schützt: "So eine Kluft ist wie ein eingeschweißtes Pfund Kaffee. Wenn man es aufschneidet, macht sich im Inneren Erleichterung breit. Und das Aroma strömt nach draußen..."

Zudem sind immer wieder die Eigenarten der Sauerländer, der Westfalen und der Deutschen, die Frieda Braun aufs Korn nimmt. Und sei es nur am Beispiel eines Croissants: "Die Franzosen dippen es in Marmelade. Und was machen wir? Wir schneiden es durch. Und wenn man nicht ein wirklich scharfes Messer hat, erleidet das Croissant schon einen Totalschaden, bevor wir es mit Butter zu bestreichen versuchen und dann um die Kurve herum mit Käse belegen - um es den Franzosen so mal richtig zu zeigen!"

Winnetou grüßt aus der Ferne

Und schließlich sind da immer wieder die Erinnerungen an früher, die das Babyboomer-Publikum zu Lachanfällen zwingt: wie die Winnetou-Filme. "So eine Federkette, wie sie Winnetous Vater trug, macht ja Eindruck. Wenn der Scholz so was mal tragen würde - dann würde man glauben: Der sagt zwar nix, aber der denkt sich was. Die Augenklappe war ja schon ein erster Ansatz..."

Auch erfahren wir von Frieda Braun, dass der Borkenkäfer wohl ein Winnetou-Fan ist: Dank seiner Gefräßigkeit können wir uns nun auch aus der Ferne von Berg zu Berg grüßen, wie seinerzeit Winnetou und Old Shatterhand.

An den beiden Abenden am Freitag und Samstag waren jeweils rund 400 Zuschauer im Bestwiger Bürger- und Rathaus zur Premiere gekommen. Danach setzt die Winterbergerin Karin Berkenkopf als Frieda Braun ihre Tournee mit dem neuen Programm durchs ganze Land fort.

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