Deutliche Worte und klare Kante

Wolfgang Trepper beherrscht auf der Bestwiger Bühne die lauten und die leisen Töne

Neun Zentimeter Neuschnee auf dem Kahlen Asten: Und schon färbt sich die Wetterkarte im Fernsehen gefährlich lila: „Da ist von Unwetterpotenzial die Rede. Aber wen interessiert das? Wer wohnt schon auf dem Kahlen Asten? Niemand! Deshalb heißt er ja so! Früher nannte man so ein Wetter: Winter!“,  rief Wolfgang Trepper am Samstagabend ins Publikum zur Ordnung. Er polterte gegen die Hysterie unserer Zeit und raste durch ihre Themen, um von der Tagesaktualität bloß nicht eingeholt zu werden - und versicherte: „Glauben Sie mir: Es dauert, bis ich mich aufrege.“

Das ist allerdings arg untertrieben. Denn Trepper regte sich über vieles auf: Über die jetzige Regierung, Sahra Wagenknecht, Jens Spahn, Lars Klingbeil, Alice Weidel. Über Klimaleugner, Rechtsradikale, die Interviews von Profifußballern im Fernsehen und Besserwissen beim Einräumen von Spülmaschinen.

Vetternwirtschaft?

„Da hat der Spahn in der Corona-Pandemie acht Milliarden Euro für Schutzmasken versenkt. Na gut: Das kann ja jedem mal passieren. Aber dass man ihm Vetternwirtschaft vorwirft, weil er die über eine Firma aus seinem Wahlkreis bestellte, mit der seit Vater eng verbunden ist? Das ist doch lachhaft. Nein: Das ist Korruption!“  Wo der Wetterbericht manchmal übertreibt, findet die Berichterstattung über solche Skandale in Treppers Augen manchmal viel zu harmlose Worte. Er rückte die Verhältnisse wieder zurecht.

Und süffisant spitzt er seinen Sarkasmus zu, wenn es ihn freut, anderen beim Scheitern zuzusehen. Zum Beispiel Sahra Wagenknecht: „13.500 Stimmen haben dem BSW zum Einzug in den Bundestag gefehlt. Also wurde noch einmal nachgezählt. Aber dann waren es immer noch 7500. Wissen Sie, was ich mir gewünscht hätte? Dass es zwei gewesen wären! Und zwar eine von Oskar Lafontaine, der an diesem Tag vergaß zu wählen. Die andere von mir.“

Inhaltslose Interviews

Und da Trepper ein Freund klarer Worte ist, regt ihn natürlich auch das Gewäsch aus Talkshows auf. Und das Gerede von Fußballern: „Die beantworten ja gar nicht die Fragen. Wenn man wissen will, warum sie verloren haben , sagen sie: 'Wir denken jetzt von Spiel zu Spiel'. Und nach der eigenen Leistung befragt, erklären sie: 'Da müssen Sie den Trainer fragen'.“ Solch ein Interview solle man sich mal mit einem Maurer vorstellen, der eine Wand hochzieht: „Ja, wissen Sie: Wir denken ja von Stein zu Stein. Da muss schon alles zusammenpassen. Und meine eigene Leistung? Da müssen Sie den Polier mal fragen...“

Wolfgang Trepper vermisst nicht nur klare Kante, sondern auch gesellschaftlichen Zusammenhalt, Courage und Ehrlichkeit. Davon habe es in seiner Jugend noch mehr gegeben. Und so kam der aus Duisburg-Rheinhausen stammende Kabarettist immer wieder auf de 70er und 80er Jahre zurück: „Als wir uns mit der BASF Chromdioxid C90 die Hits aus dem Radio aufnahmen und eine Single kein Beziehungsstatus war, sondern eine Platte, die man auf den Plattenspieler legte.“ Als man von den 348 D-Mark Lohn im ersten Lehrjahr zu Hause noch 150 Mark Kostgeld abgeben musste und für das erste Auto, einen alten Ford Fiesta, etwas tat, was Jugendliche heute kaum noch kennen würden: „nämlich Sparen“.

Geübte Solidarität

Als das Stahlwerk in Rheinhausen schließen sollte, traten alle Stahl-und Bergarbeiter im Ruhrgebiet solidarisch in den Streik. Bis die Politik handelte. Gunther Gabriel habe sogar einen Song komponiert, dessen Erlös er den Arbeitern spendete: „Rheinhausen, Du darfst nicht untergehn.“

Damit schlug Wolfgang Trepper allerdings ein Kapitel der 1980er Jahre auf, das man sich aus dieser Zeit bitte nicht zum Vorbild nehmen solle: Die Musik. Und auch das Fernsehprogramm sei damals mit Der Alte, Dallas und Denver Clan nicht besser gewesen. Nur die Talkshows: „Wenn man denn erkannte, wer hinter den Schwaden aus Zigarettenqualm eigentlich sprach.“

Auch Treppers Vater sei Kettenraucher gewesen.  Und er habe genau eine C90-Kasstte gehabt: von Mireille Mathieu. So seien die Autofahrten in den Sommerurlaub nach Italien zur Tortur geworden. „Kurz vor München meinte meine Mutter: 'Sollen wir nicht mal ein Fenster aufmachen?'  Aber mein Vater zürnte zurück: 'Willst Du, dass der Junge sich erkältet?'“. Offenbar hat Wolfgang Trepper seine Ruhrgebiets-Schnauze von ihm geerbt.

Ein Phänomen

Doch Trepper kann nicht nur laut, sondern auch leise. Und so endete der Abend nachdenklich: mit einem Gedicht des großartigen Hanns-Dieter Hüsch, der 2025 einhundert Jahre alt geworden wäre: „Das Phänomen“ Ein Text, der erklärt, warum man den Kindern schon beibringen sollte, zu teilen und sich wertzuschätzen - was in unserer heutigen Gesellschaft immer mehr fehlt. Und dem fügte der 64-Jährige den Appell ans Publikum hinzu, sich für die Kultur zu interessieren: „Nicht nur für die in den großen Hallen. Sondern für die vor Ort. Veranstaltungsorte wie dieser sind das Rückgrat des deutschen Kabaretts.“ Und darin ist Trepper eine wahre Größe.

So entließ er sein Publikum lachend und nachdenklich. Auch deshalb, weil er ihm noch ein paar Fragen vor dem Zu-Bett-Gehen mitgab, die wieder das Komische in den Alltag zurückholten: „Hat ein Junkie, der zu hohe Fixkosten hat, eigentlich Anspruch auf eine Finanzspitze?“ Oder: „Gibt es diese grün beleuchteten Fluchtweg-Schilder auch im Gefängnis?“

Das ist Wolfgang Treppers Stärke: Bei aller Schnelligkeit die Tagesaktualität im Blick zu behalten und bei allem Ernst nicht den Humor zu verlieren. Das Publikum dankte ihm mit lang anhaltendem Applaus.

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