„Es ist nichts so schlecht, das es nicht für irgendetwas gut wäre“, betonte Max Mutzke gleich mehrmals während seiner emotionalen und sehr persönlichen Lesung am Montagabend vor fast 300 Besucherinnen und Besuchern im Bestwiger Rathaus. Er sprach über den Tod seiner Mutter oder über die Trennung von seiner Frau. Aber auch, wie sich darauf neue Wege ergaben: ob im Einsatz gegen Drogen oder in der Liebe zu einer neuen Partnerin. Die wichtigste Botschaft war deshalb das Plädoyer für die vielen schönen Momente im Leben: „Ein Tag, der gut zu Ende geht, ist viel wertvoller, als wir im Alltag glauben.“ Und alles – ob Trauer, Wut, Mut oder Glück – drückte der Musiker auch in seinen gefühlvollen Liedern aus. Dabei wurde er großartig begleitet von dem Pianisten Nick Flade.
Sozialstunden beim THW
Drei Stunden lang unterhielt Max Mutzke sein Publikum mit den Kapiteln aus seinem autobiografischen Buch „So viel mehr“. Er begann unterhaltsam mit den Geschichten von seinem Opa, der gerne mit Schwarzpulver experimentierte und die Neugier seines Enkels weckte. Der ihn auf dem Unimog Fahren üben ließ, bis er von der Polizei erwischt wurde und beim THW Sozialstunden ableisten musste. Das THW freute sich wiederum, dass der Junge mit 16 schon Fahrpraxis hatte. „Was habe ich diese Sozialstunden geliebt“, sagt Mutzke verschmitzt. Überhaupt freut sich der Autor immer wieder über seine glückliche Kindheit: „Unser Haus war wie die Villa Kunterbunt“.
Doch die heile Welt bekam auch viele Risse: Mit vier Geschwistern wurde Mutzke in einem gut behüteten Umfeld im Schwarzwald groß. Eins davon war Adoptivkind Steffes, der – bedingt durch einen Gen-Defekt schwer an Diabetes erkrankt –eine Organ-Transplantation nicht überlebte. Auch der so geliebte Opa starb schon mit 68 Jahren, und seine Mutter später an den Folgen ihrer Alkoholsucht.
Schwer zu ertragende Verluste
Was Mutzkes Leben prägte, waren also einerseits intensive Verbindungen zu geliebten Menschen, zugleich aber auch schwer zu ertragende Verluste. „Das schreiben eines Songs ist dann für mich oft Therapie“, gab er seinem Publikum in Bestwig zu verstehen. In Liedern wie „Hier bin ich Sohn“ bringt er die verzweifelte und erodierende Liebe zu seiner Mutter einfühlsam in Klänge und Worte. „Und wenn mir dann eine Frau nach der Vorstellung sagt, dass meine Zeilen endlich das beschreiben würden, wofür sie selbst keine Worte fand, dann erinnere ich mich wieder: Nichts ist so schlecht, dass es nicht für irgendetwas gut wäre.“
Seither setzt sich Mutzke gegen Drogenmissbrauch ein, ist mittlerweile sogar Schirmherr für den Verband NACOA Deutschland, einer Interessenvertretung für Kinder, die in ihren Familien unter Alkohol- oder Drogenkrankheit ihrer Eltern leiden.
Rituale mit den Kindern
Anschaulich und unterhaltsam beschreibt Max Mutzke, wie er seine große Liebe Nazu kennenlernte. Ihre Eltern waren mit der Familie aus Eritrea geflüchtet, damit die Kinder in Deutschland eine gute Ausbildung machen könnten. Da passte Sitzenbleiber Max nicht ins Profil. Unter dem Bett seiner Freundin musste er sich vor dem Vater verstecken. Doch die Beziehung hielt. Später bekam das Paar vier Kinder. Dann waren die Schwiegereltern mit ihm versöhnt.
Wie sehr Max Mutzke seine Kinder liebt, zeigt auch sein Kinderbuch „Komm mit ins Paradies der Träumer“, in dem er viele seiner Rituale beschreibt: etwa den Ohrenbus. „An den Ohren ziehend lotsten mich meine Kinder, die ich auf dem Rücken trug, abends in ihre Zimmer“, erinnert sich Mutzke. Seine Kinder waren es auch, die seinem Buch den Namen gaben. Denn halb Afrikaner, halb Europäer, klärten sie ihren Vater auf, dass sie nicht nur durch zwei halbe Identitäten definiert werden wollten: „Wir sind doch soviel mehr.“
Dann geriet der Stamm ins Wanken
Mutzke malt seine Familie als einen Stamm mit festen Wurzeln, der viele Triebe in den Himmel reckt. „Doch dann geriet der Stamm durch einen Sturm ins Wanken.“ Auch die schwierige Trennung von seiner langjährigen Partnerin ließ er thematisch nicht aus. In Liedern wie „Wenn ich mal nicht mehr da bin“ trauert er dem nach, was vielleicht gewesen wäre. Aber mittlerweile ist der Musiker neu liiert – und hat ein weiteres Kind. Vielleicht sind Mutzkes Texte jetzt tiefer als je zuvor. Wer also weiß, wofür es gut war.
Das Publikum dankte dem Künstler für seine Einblicke, Gedanken und Lieder mit stehenden Ovationen. Und er dankte ihm mit einer besonderen Zugabe: Seinem ESC-Beitrag von 2010: „Can`t wait until tonight“. Tatsächlich hatte sich das Warten auf diesen Abend sehr gelohnt.
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