Trump, Putin, Kriege in der Ukraine und am Golf, die Abhängigkeit vom Konsum und der ständige Ruf nach mehr? Was kann diese Welt noch retten, fragt sich der Kabarettist Mathias Tretter. Und er hat darauf eine Antwort: zum einen die Bereitschaft zu Verzicht – und zum anderen der Stammtisch.
Den 120 Besucherinnen und Besuchern stockte manchmal der Atem, so provokativ und sarkastisch analysierte der Kabarettist unsere Gesellschaft. Dabei wurde er niemals laut, häufig aber ganz leise. Und das hatte eine enorme Wirkung. Es gab viel zu lachen – aber manchmal blieb einem die Erheiterung auch ganz still im Halse stecken. Oder wie Mathias Tretter es ausdrückte: „Man möchte kotzen – aber das Lachen hält es einfach unten.“
Trumps beste Büttenrede aller Zeiten
Trumps Rede an die Nation habe gezeigt, dass der Karneval am Aschermittwoch noch nicht vorbei sei: „Das war die beste und die längste Büttenrede aller Zeiten – trotz sehr beschränkten Vokabulars.“ Trump erinnere ihn sogar an Jesus: „Mit einem einzigen toten Fisch füttert er den ganzen Kongress. Die einen wurden satt, die anderen haben ihn satt.“
Eindrücklich machte Tretter klar, dass man nicht alles so ernst nehmen darf. So etwa Trumps Reden. Andererseits zeigte er auch, dass manches viel realer und erschreckender ist, als man es vor einigen Jahren noch glauben mochte: wie etwa Trumps Reden.
Was ist das für eine Welt, in der es nur noch Blasen gibt? „In Dubai wohnen keine Dubaier. Da wohnt das Geld. Und auf den Kaiman-Inseln gibt es keine großen Unternehmen, aber 19.000 Firmenadressen.“ Alles werde immer absurder und schneller. Für verrückt halte man ihn, wenn er, seitdem er sich das Rauchen abgewöhnt hatte, „trotzdem vor die Kneipe nach draußen trat, um fünf Minuten ‚nichtzurauchen‘, also einfach nur rumzustehen. Solches Innehalten kennen junge Leute nur noch von Gemälden.“
Aufbruch zum großen Finale der Menschheit
13.000 Satelliten wolle China in den nächsten Jahren ins All schießen. „10.000 sind da schon. Vielleicht ist das ja ein Beitrag, die Klimaziele zu erreichen – wenn keine Sonne mehr durchkommt.“ Und Elon Musk will auf den Mars, weil es dort wertvolle Rohstoffe gibt: „Spacemining. So vereinigen sich Bergbau und Raumfahrt zu einem großen Finale“, jubelte Tretter. Sein Freund Ansgar begibt sich derweil schon einmal als Tourist in Richtung roter Planet – und genießt in Millionen Kilometern Entfernung auf der fast einjährigen Reise was? Die Ruhe!
Kein Wunder also, dass wir mehr und mehr resignieren – und Merz wählen. „Der kandidierte einfach so oft, bis die Mehrheit sagte: ‚Ich kann nicht mehr‘. In der Orthopädie nennt man das einen Ermüdungsbruch.“ Und Karl Lauterbachs Schwermutbericht der Bundesregierung trage den Titel: „Mein Krampf“.
Oder man wählt AfD. „Höckes Hitlergruß hat Deutschland nicht erschüttert. Er zeigt wenigstens, dass einer an uns denkt“, meinte Tretter – und löste Schnappatmung im Publikum aus. Sogleich aber stellte der Kabarettist, der in Franken aufwuchs und heute in Leipzig wohnt, klar: „Nicht, dass sie meinen, das sei ein Ost-Phänomen. Auch in Baden-Württemberg kam diese Partei auf 18,8 Prozent.“ Die AfD sei in Oberursel gegründet worden. Björn Höcke stammt aus Lünen und Alice Weidel aus Gütersloh. Der Erfolg dieser Partei sei einfach zu begründen: „Alle diskutieren über die Gesellschaft. Die AfD redet vom Volk.“ So würden die Wähler zum Problem für die Demokratie, schlussfolgerte Tretter über den Souverän.
Ein Ausweg wäre Vericht
Angesichts dieser Entwicklungen forderte er eine „Künstliche Demenz“. Die helfe vieles besser zu ertragen. „Intelligenz scheint nicht möglich. Verwirrung schon.“
Natürlich könne man den Zusammenbruch verhindern: „Durch Verzicht. Überlegen Sie doch mal, was in Ihrer Wohnung alles überflüssig ist. Da herrscht Lawinengefahr“, sagte Tretter – und beobachte das Publikum: „Oh, da geht der Blick zum Partner.“
Vielleicht sei man da in Japan schon auf dem richtigen Weg: „In meiner Jugend war alles aus Japan einfach nur hip. Wie der Sony-Walkman. Aber wo spielt diese Industrienation heute noch eine Rolle?“ Das Land vergreise und sei völlig überaltert: „92.000 Japaner sind über 100 Jahre alt. Hier leben die ewig Gestrigen, dort die Alten.“ Auch habe Japan die höchste Staatsverschuldung. Die Warnung „Wir leben auf Kosten unserer Kinder“ verhalle dort: „Warum denn nicht, wenn keine Bratzen mehr nachkommen?“ Auch in Deutschland nehme die Geburtenrate ja ab: „Von wegen Überfremdung. Wir leiden eher an Untervögelung.“
Kommunion mit heruntergelassenen Hosen?
Und wir müssten endlich wieder aus den virtuellen Blasen namenloser Avatars ins wahre Leben zurück. „Die Grünen meinen, wir bräuchten eine staatliche Kennenlern-App. Aber was bringt das in Zeiten, in denen man im Pyjama auf dem Klo zur Wahl gehen kann? Die Hostie nehmen wir ja auch nicht mit heruntergelassenen Hosen entgegen. Auch wenn sie manche so verteilen.“ An derben Worten sparte Mathias Tretter nicht.
Früher fanden die Diskussionen noch am Stammtisch statt: „Dort redet man sich in Wut oder man redet im Rausch. Und trotzdem ist Konversation möglich – unter Einhaltung weitgehend definierter grammatikalischer Regeln. Und was entscheidend ist: Jeder Satz kann physische Konsequenzen haben“, erklärte Tretter. Gewalt sei zwar keine Lösung, verspräche oft aber Heilung. Aus diesem Grund setzte sich der Kabarettist dafür ein, die Kneipenschlägerei zum immateriellen Weltkulturerbe zu erheben.“ Dieser Vorschlag fand beim Publikum abschließend ausgiebigen Beifall.
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